Wer uns so beobachtet, der könnte schnell den Eindruck
gewinnen, die Harmonie untereinander sei uns in die Wiege gelegt worden. Ist
sie nicht. Wir haben ein ziemlich gutes Verhältnis untereinander, alle, aber
das ist nicht immer so, und das war auch nicht immer so. Meine Kinder haben
auch gestritten als sie klein und auch schon größter waren. Die Jungs
haben sich manchmal das Leben gegenseitig schwer gemacht, und mir damit auch.
Und auch wenn mein Mann und ich eine gute Ehe führen, haben wir dennoch unsere
Hochs und Tiefs, normal eben. Da gab es vor ungefähr acht Jahren eine Zeit, so
kurz vor Weihnachten, da ist mir die Familienatmosphäre voll auf den Keks
gegangen. Du fühlst dich dann so machtlos, wenn du merkst, es stimmt etwas
nicht, aber auch nicht so richtig in der Lage bist, das zu ändern.
Ändern können wir uns ja immer nur selbst.
Aber wer weiß, vielleicht auch ein bisschen den anderen,
dachte ich. Und da fiel mir so eine schöne Idee ein. Ich besorgte mir von einem
Bauern eine große Schüssel voller Stroh, bastelte eine Krippe und lud die Familie
zu einer Familiensitzung ein.
„Ich hab eine schöne Adventidee.“, die Kinder waren sehr
gespannt. Vor mir das Stroh und die Krippe hatten sie keine Ahnung was jetzt kommt.
„Irgendwie hab ich das Gefühl, dass gerade der eine dem anderen nichts Gutes
gönnt. Das würde ich gerne ändern. Was haltet ihr denn von einem Spiel?“ Ich
hab drei Jungs und einen Mann, die sind fürs Spielen immer zu haben.
„Am 1. Dezember geht es los. Jeder darf dem anderen
irgendetwas Gutes tun. Also z. B. einfach mal ein nettes Wort, oder ihm mal
Kaugummis aufs Bett legen, oder einen Dienst für ihn übernehmen, etwas heimlich
in den Ranzen stecken, oder den Rücken kraulen. Egal, irgendetwas, was euch
einfällt. Und für jede gute Tat, dürft ihr einen Strohhalm aus der Schüssel in
die Krippe legen. Ziel ist es, dass an Heiligabend möglichst viel Stroh in der
Krippe liegt, damit Jesus dort weich liegen kann.“ Triumphierend holte ich die
Babyborn hervor, die mir meine Tochter netterweise ausgeliehen hatte.
„Einzige Bedingung: Der andere darf nicht wissen, dass ihr
ihm Gutes getan habt.“
Ob die Begeisterung so groß war weiß ich gar nicht mehr, ist
schon so lange her. Ich weiß nur noch, dass sich die Krippe täglich füllte. Ich
selber habe eine Menge dazu beigetragen, aber die anderen auch. Und plötzlich
war es dir viel wichtiger, selber Gutes zu tun, als Gutes zu empfangen. Indem,
dass wir dem anderen Gutes tun, verändert sich ihm gegenüber auch unsere
Herzenshaltung.
Die Mission ist geglückt, unsere Familienatmosphäre hat sich
damals erheblich gebessert, und wir konnten ein herzliches Weihnachten
miteinander verbringen.
Wie wäre es denn, wenn wir alle zu Strohsammlern werden? Mal
die Augen offen halten, wem wir Gutes tun könnten. Manchmal liegen die
Empfänger ganz nahe.
Hier
findest du gute Anregungen.
Was war deine gute Tat heute? Schreib mir, dann kannst du
das Buch gewinnen.
Die Entspannungs-CD hat Melanie Nock gewonnen – Glückwunsch!
hm