Mittwoch, 6. August 2014

Abenteuerlich



1996 das Haus hier auf Sardinien zu kaufen war ein Abenteuer für sich. Da gab es damals 4 Geschwister, die das Haus geerbt hatten, an 4 verschiedenen Orten. Einer davon wohnte in Deutschland, mit dem haben wir die Verhandlungen begonnen, die anderen wohnten auf Sardinien. 

Alles aufzuschreiben, wie verzwickt das war, beim Notar dann endlich die Urkunde zu bekommen, würde Bücher füllen. Das Ganze hat mehr als ein Jahr gedauert. So manch einer hätte schon nach einem halben Jahr aufgegeben. Ich weiß nur noch, dass die Hälfte des Geldes schon überwiesen war, bevor wir irgendetwas in der Hand hatten. Und beim Notar erklärten uns dann plötzlich die Schwestern, sie würden den Anteil der Notargebühren aber auf den Kaufpreis draufschlagen, weil das wollten sie nun wirklich nicht zahlen. Notargebühren sind um ein vielfaches teurer als hier in Deutschland. Da stehst du dann, in einem fremden Land, willst das Haus haben, und unterschreibst dann irgendwann alles, Hauptsache, das Ganze findet dann mal ein Ende. 

Nichts für schwache Nerven.

So ähnlich gestaltet sich gerade unser Anbau. Letztes Jahr haben wir beim Architekten die Pläne für eine zweite Etage eingereicht. Mit dem Ziel, dass dieses Jahr der Rohbau schon steht. Und obwohl wir wissen, dass die Uhren hier anders ticken, hatten wir doch irgendwie gehofft, dass das klappt.
Mehrere Mails gingen hin und her, die wir uns dann auch immer übersetzen lassen mussten (an dieser Stelle DANKE liebe R.). 

Fakt ist: Noch gar nichts ist passiert. Eventuell bekommen wir die Genehmigung gar nicht, weil unsere ganze Straße unter Denkmalschutz steht.
Heute früh um 11.00 Uhr wäre eigentlich der Termin bei der Behörde gewesen, mit Architekt, mit Baumeister und mit einem Übersetzer.

Da klopft der Architekt so gegen 9.30 Uhr an unsere Tür, um uns mitzuteilen, dass der Termin auf den 18.8. verschoben werden muss, weil der zuständige Beamte im Urlaub ist.
Vertretung oder so scheint es nicht zu geben.

Mal gut, dass wir dann noch hier sind, und der Übersetzer auch.

hm

Dienstag, 5. August 2014

Urlaubsstrategie

Jedes Jahr die gleiche Herausforderung. Mangelnde Bewegung gekoppelt an mediterrane Köstlichkeiten, ein Mangel an Rhythmus verbunden mit Bequemlichkeit, ein Hauch von Langeweile und an jeder Ecke eine Eisdiele.  

Dieses Jahr hab ich mir meine Strategie schon vor dem Urlaub entwickelt, zumindest was die Bewegung anbelangt. 



Kopfhörer auf die Ohren, Smoveys in die Hände, Gürtel für das I-Phone um den Bauch und los geht’s. 

Ich sehe ein bisschen spacemäßig aus, wenn ich morgens meine Runde laufe. Möchte nicht wissen, was die vorbeifahrenden Italiener so denken.

Sollte ich mal sehr mutig sein, dann stell ich ein Foto von mir hier rein. Aber das muss ich mir echt noch überlegen. 

Und damit beuge ich Rückenschmerzen vor:




Triggerpoint: hier

hm


Montag, 4. August 2014

Schnelle Entscheidung

"Und Mädels, was wollen wir heute machen?", frag ich die beiden Mädchen heute nach dem Frühstück. Beide zucken mit den Schultern. "Ok, jeder macht drei Vorschläge, und dann entscheiden wir."

Beide nicken, keiner sagt etwas.

Ich: "Also, ich hatte heute schon überlegt, ob wir einfach zu Hause bleiben und Karten spielen, und chillen."

Estella: "Oh, ja, hab ich auch schon gedacht. Nach dem langen Abend gestern, genau das richtige."

Gestern Abend war Fest in Bosa und Feuerwerk bis nach Mitternacht.

Joana: "Ja, ich hab auch gehofft, dass wir heute hier bleiben."

Und auch der Vater bleibt hin und wieder gerne im Haus.

So schnell werden hier Entscheidungen getroffen.

Und ich bin ein bisschen dankbar, weil ich mir blöderweise gestern auf dem Boot einen Sonnenbrand zugezogen habe. Der Wind scheint den Inhalt der Sonnensprayflasche weggeweht zu haben, meine Beine und mein Bauch sehen zumindest so aus, als hätten sie die Sonne ohne Sonnenschutz ausgehalten.

hm

Sonntag, 3. August 2014

Ein Gewinn



Seit drei Jahren will die Süßmaus schon eine Freundin mit in den Urlaub nehmen. Verständlich. Während Urlaub auf dem Campingplatz oder im Hotel immer mit der Möglichkeit verbunden ist, andere Kinder kennenzulernen, ist hier in Magomadas tote Hose. Wir sind im Haus, oder auf dem Boot, ab und zu mal am Strand, aber dort spricht alles italienisch. 

Die Jungs hatten sich immer gegenseitig, die Süßmaus ist hier so ein bisschen Einzelkind. Natürlich spielen wir zusammen Karten, erzählen, bummeln, schwimmen, schnorcheln, lesen und haben Spaß miteinander. Aber Kommunikation mit Gleichaltrigen ist einfach anders.

Es gibt nicht viele Mädchen, die ich einfach so bedenkenlos mitnehmen würde, um nicht zu sagen, es gibt eigentlich niemanden, außer Estella. Bei allen anderen habe ich Bedenken, dass sie Heimweh bekommen oder befürchte die eintretende Langeweile. 

Estella und die Süßmaus kennen sich seit der Vorschule, und verstehen sich IMMER, und wissen IMMER, was sie miteinander machen können. 



Und ich genieße dieses Jahr die weibliche Übermacht, bin völlig verzückt von den Mädchen, Urlaub nochmal anders. Zumindest die ersten 17 Tage……..dann kommen die Jungs.

hm

Samstag, 2. August 2014

Fähre oder Flieger?



Mein Mann fliegt lieber, ich fahre lieber mit dem Auto. Mit dem Auto und der Fähre sind wir 24 Stunden unterwegs, mit dem Flieger sechs. Auto und Fähre ist anstrengend, Flugzeug wesentlich entspannter. Aber mit der Fähre ist es einfach ein sanfteres Ankommen. Es ist irgendwie besonders. Dieser Moment, wenn du am Hafen ankommst, eincheckst in deine Autoreihe fährst, wenn du das Schiff siehst, aussteigst und diesen Geruch von Meer, Hafen und Italien in der Nase hast.





Wenn es dann losgeht, aufs Schiff rauf, du dann deine Kabine suchst, jeder sein Bett bezieht. 



Abendbrot in der Kabine und dann auf Deck das Losfahren erlebst.




Schlafen kannst du nicht wirklich, dafür dröhnen die Motoren zu laut. Dann am Morgen wirst du von den Stewards geweckt, zwei Stunden bevor das Schiff anlegt, weil sie die Kabinen aufräumen müssen. Und du weißt, du kannst noch einen Moment liegen bleiben. Wir sind meistens die letzten, die auf Deck gehen. 

Zwei Cappuccino für die Mutter, ein doppelter Espresso für den Vater, die Mädchen schauen, wann wir da sind.

Und dann gehen die Passagiere runter an die Autos, kommen fast nicht durch, weil so eng geparkt wurde. Die Ladeklappe wird runtergelassen, und dann der Moment, in dem dein Auto Land berührt, dann bist du auf Sardinien. 

Ein Freund hat es mal gut in Worte gefasst: "Mit Auto und Fähre ist wie Sonnenaufgang, mit dem Flugzeug wie Licht anknipsen."

Aber so wie es aussieht, wird in Zukunft immer das Licht angeknipst.

hm

Retro



Seit 20 Jahren machen wir hier auf Sardinien Urlaub. Die ersten beiden Jahre im Haus von Freunden, seit 1996 in unserem eigenen Haus. Unsere Kinder sind hier groß geworden. Wir haben Schönes und Schlimmes erlebt. Sardinien ist für uns weitaus mehr, als einfach nur „Urlaub“ machen. Hier schwingt so eine Sentimentalität, die kann ich kaum in Worte fassen. Hier sind Träume geboren, Ideen gesponnen, Visionen entwickelt und Pläne geschmiedet. Hier ist der Ort, an dem wir jedes Jahr reflektieren, uns neu orientieren, uns erinnern und zur Ruhe kommen. Hier entsteht die Kraft fürs nächste Jahr, hier wird das Herz neu gefüllt und der Kopf sortiert. 

Hier erinnern wir uns an das Großwerden der Kinder, an das Loslassen von Julian, daran woher wir kommen, aber auch wie wir gesegnet sind. 

Die Urlaube haben sich mit den Jahren geändert. Die Kinder sind nicht mehr klein, kommen nicht mehr alle mit. Mittlerweile haben wir Internet und Fernseher hier. Etwas, was vor 15 Jahren für mich noch undenkbar war. 18 Jahre sind wir Fähre gefahren, seit 2 Jahren fliegen wir. Ein Urlaub im Wandel. Und dennoch immer wieder gleich.

Nur dieses Jahr, da soll’s ein kleines bisschen Retro werden. Da sind wir doch noch einmal Fähre gefahren, mit der Süßmaus und ihrer Freundin. 






Da besucht uns mitten im Urlaub Andreas, ein Freund meines Mannes und nimmt die Freundin ein paar Tage später wieder mit nach Deutschland. Und mit dem gleichen Flieger kommen zwei unserer Jungs, die in 11 Tagen all das machen wollen, was wir mit ihnen als Kindern in den ganzen Jahren unternommen haben.

Retro eben.

hm

Abschied



Die letzte Woche war mal wieder vollgespickt mit lauter emotionsgeladenen Situationen. Ein Abschied jagte den anderen. 

Letzten Mittwoch haben wir uns vom kleinen Manuel verabschiedet. Wir freuen uns, dass er eine neue Pflegefamilie gefunden hat. Aber der Abschied fiel mir dennoch nicht leicht. Das werde ich üben müssen, als Bereitschaftspflegefamilie bleiben die Kinder nicht bei uns.

Sonntag gab es Abschiedsumarmungen für Annika. Sie fliegt für ein Jahr in die USA, und ihr Verlobter Michi verabschiedet sich für drei Jahre nach Friedrichshafen. Da es der beste Freund meines Großen ist, und er irgendwie schon fast zur Familie gehört fiel der Abschied besonders schwer. Vor allen Dingen, weil wir wissen, dass er nicht wirklich zurückkommt. Das ist so ne Zeit, da verabschieden sich unsere jungen Erwachsenen, und wir wissen jetzt schon, dass sie sich an einem anderen Ort auf dieser Welt ein neues Leben aufbauen werden.

Ich kann mich noch gut an unseren Abschied aus Bremen erinnern, vor 25 Jahren. Von den Freunden, meiner Mama, der Schwiegermutter und der Gemeinde. Ich wusste, das wird kein Abschied für drei oder fünf Jahre, ich wusste, das wird für immer. Ich weiß noch den Moment, als meine Mama unsere Wohnung ein letztes Mal verlassen hat, da hab ich mich im Schlafzimmer aufs Bett geschmissen und Rotz und Wasser geheult. Das war echt schlimm.

Und so war es dann auch. Drei Jahre Studium meines Mannes in Erzhausen, 12 Jahre Wolfsburg und jetzt schon 10 Jahre in Süddeutschland. So schnell gehen 25 Jahre vorbei.

Und dabei fällt mir ein, dass der Große nächstes Jahr zum gleichen Studium nach Erzhausen aufbricht……

hm